In Europa lebenden Spechte

Vögel der Wälder und Wiesen

Die gesamte Spechtfamilie der Welt zählt etwa 200 Arten. Mit Ausnahme der Polarregionen, Australien, pazifischen Inseln, Madagaskar, Neuguinea und Neuseeland, sind Spechte weltweit anzutreffen. Besonders im Frühjahr machen sich die Spechte in unseren Wäldern für uns bemerkbar. Die meist "scharfen" Rufe, ein Trommelwirbel oder ein rhythmisches Klopfen an Baumstämmen verraten ihre Anwesenheit. Ansonsten sind sie durch ihr Gefieder gut getarnt im Dickicht des Waldes.

Hungriger Specht schaut aus Astloch

Folgende Spechtarten werden hier näher beschrieben:

  • Schwarzspecht (Dryocopus martius)
  • Buntspecht (Dendrocopos major)
  • Grünspecht (Picus viridis)
  • Grauspecht (Picus canus)
  • Dreizehenspecht (Picoides tridactylus)
  • Dreizehenspecht Alpinus (Picoides tridactylus alpinus)
  • Kleinspecht (Dendrocopos minor)
  • Mittelspecht (Dendrocopos medius)
  • Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos)
  • Blutspecht (Dendrocopos syriacus)
  • Wendehals (Jynx torquilla)

Spechtbiotop Baum

Spechte haben die Bäume, die Stämme und Kronen, als ihren Lebensraum besetzt. Im Laufe der Evolution hat sich der Körperbau der Spechte an das Habitat so weit angepasst, dass kein anderes Tier ihnen ihre Nahrungsquellen streitig machen kann. Der Schnabel zum Hämmern, der von einer schwammartigen Knochensubstanz wie ein Stoßdämpfer beim Klopfen abgefedert wird, die spezielle Anordnung der Fußkrallen und der Stützschwanz sind die Charakteristika der Spechte.

Mittelspecht an morschem Ast

Der Baum - Speisekammer und Brutraum

Zur Nahrungsaufnahme bearbeiten die Baumspechte die Baumstämme mit ihrem Schnabel. In der knorrigen Baumrinde und in der saftführenden Außenschicht des Holzes, schlecken die Spechte mit ihren hochspezialisierten Zunge den Baumsaft auf oder verspeisen dort verweilende Insekten. Bei Aussicht auf lohnende Fressbeute, hacken die Spechte die Bäume mit ihrem harten Schnabel auch bis in tiefere Schichten auf. Auch Zapfen, welche aufgehackt werden um an die Samen zu kommen, gehören zu ihrem Speiseplan. Zur Brutzeit ist das Klopfen an Baumstämmen auch ein Mittel um Spechtweibchen anzulocken, ebenso dient es zur Reviermarkierung.

Zunge und Schnabel

Mit ihrem meist harten und kantigen Schnabel, in dem sich eine äußerst spezialisierte Zunge verbirgt, suchen Spechte nach Nahrung oder zimmern sich Bruthöhlen. Auf die Unterschiede in den Lebensgewohnheiten wird hier später eingegangen; nicht jede Spechtart kann sich z.B. selbst Bruthöhlen schaffen. Ebenso gibt es Unterschiede bei der Nahrungsauswahl und der Wahl des Brutbiotops und des Zugverhaltens.

Wendehals - kein echter Specht

Der Wendehals zählt ebenso zu den Spechten. Der ziemlich seltene Vogel hält sich gerne in lichteren Waldbeständen auf. Vorzugsweise ist der Wendehals auf Streuobstwiesen, in Obstplantagen oder Feldgehölzen zu Hause. Der Wendehals bevorzugt offene Flächen. Dort ist kein Insekt vor ihm sicher, auch die nicht hügelbauenden Wiesen- und Wegameisen. Ein selten gewordener Vogel, den anzutreffen oder zu verhören schon etwas besonderes ist.

Mit Ausnahme des Wendehalses sind die europäischen Spechte nicht als Zugvögel zu betrachten. Der Wendehals selbst zieht im Herbst ins sonnige Afrika. Während der Zugzeit kann der Wendehals mit Glück in Obstbaumbeständen angetroffen werden. Durch seine unauffällige, braune Befiederung fällt er nicht auf, schon eher wegen seines sehr charakteristischen Rufes.

Wendehals - Jynx torquilla
Wendehals - Gefieder als Tarnung

Der Specht - ein Einzelgänger

Specht sind Einzelgänger. Nur einzeln oder paarweise (Brutzeit) halten sich die Spechte in den Wäldern und den weiteren Spechtbiotopen auf. In Gruppen sind Spechte eigentlich niemals anzutreffen.