Grauspecht

Picus Canus

Ordnung deutsch: Spechtvögel
Familie deutsch: Spechte
Unterfamilie deutsch: Echte Spechte
Art deutsch: Grauspecht
Ordnung lateinisch: Piciformes
Familie lateinisch: Picidae
Unterfamilie lateinisch: Picinae
Gattung lateinisch: Picus
Art lateinisch: Canus
Verbreitung: Nord-, Südost- und Zentraleuropa - entlang des borealen Nadelwaldgürtels bis zur Küste des Pazifiks. Hokkaido und Sachalin. Weitere Verbreitungsgebiete in Asien und Ozeanien (biotopabhängig).

Specht der offenen Landschaft

Der Grauspecht kommt in Europa in Laubmischwäldern der Mittelgebirge und Arealen mit halboffenem bis steppenartigem Bewuchs vor. Nadelwälder meidet er mit Ausnahme von Lärchenwäldern.

Grauspecht am Stamm
Grauspecht - Weibchen

Der Grauspecht kommt in Auenwäldern, Ufergehölzen und Bruchwäldern vor. Man trifft ihn auch in Gärten und Obstwiesen, auf Friedhöfen sowie in Weinanbaugebieten an. Der Grünspecht ist eher auf Altholz angewiesen. Der Grauspecht brütet vorzugsweise tiefer im Waldinneren als seine Zwillingsart.

Aussehen

Der Grauspecht ist kleiner als der Grünspecht. Im Gesicht trägt er nur einen schwarzen Bart- und Zügelstreifen. Das Männchen trägt einen roten Vorderscheitel. Flanken und Unterschwanzdecken sind schwach gebändert. Der Schnabel ist von der Basis aus olivgrün bis -gelb gefärbt. Der vordere Schnabelbereich ist dunkler. Die Augen der erwachsenen Grauspechte tragen eine dunkelrote Iris mit etwas Weiß. Der Grauspecht besitzt im Mundbereich Drüsen, die ein klebriges Sekret auf die Zunge absondern. Daran bleiben die Beutetiere, überwiegend Ameisen und deren Larven, hängen.




Eigenschaften

Außerhalb der Brutzeit streunt der Grauspecht manchmal umher und ist dann auch in Gegenden anzutreffen, die nicht in seinem Brutgebiet liegen. Insgesamt gesehen ist der Grauspecht jedoch als standorttreu zu bezeichnen. Der Grauspecht ähnelt im Verhalten stark dem Grünspecht. Ihr Ruf ist zwar unterschiedlich, aber jedoch ähnlich melodisch. Beim Grauspecht wird beim Brüten die Saisonehe bevorzugt, d.h. das Spechtpaar trennt sich nach Ende der Brutzeit.

Ruf des Grauspechts

Der Ruf des Grauspechtes besteht aus bis zu zwanzig in der Tonlage absinkende Rufelementen. Das im Ton abfallende, oft wiederholte "klü" ist besonders in der Brutzeit als Revieranzeige recht laut zu hören. Das Trommeln des Grauspechts ist besonders in der Balzzeit zu hören. Der Grauspecht wählt als Trommelbaum gute Resonanzkörper, damit das Trommeln weit zu hören ist. Er wählt dazu auch schon mal Metallbleche an Masten oder auch Dachpfannen. Das Trommeln dauert etwa zwei Sekunden, in denen bis zu vierzig Schnabelhiebe ausgeführt werden.

Grauspecht - die Brut

Die gelegten Eier des Grauspechts sind weiß mit leichtem gräulichen oder gelblich glänzendem Schimmer und sind sehr glatt. Brutzeit ist Ende April bis Ende Mai. Brutdauer bis 17 Tage; Eieranzahl: 5-6. Nicht selten schaffen es nicht alle Jungspechte, zu überleben. Grauspechte werden ca. 5 Jahre alt.

Biotopwahl zur Brut

Im Laub-oder Mischwald bevorzugt der Grauspecht Buchen und Eichen als Brutbaum. Die Weichhölzer der Auenwälder nimmt auch gerne an (Pappel, Weide, Birken und Erlen). Sogar Obstbäume von Streubobstbeständen nutzt er. Linden, Ahorn, Ulmen und noch einige andere Baumarten nimmt er zur Brut an.




Der Grauspecht scheint nicht sehr wählerisch zu sein. Gerne benutzt er zur Brut alte Schwarz- oder Buntspechthöhlen. Löcher infolge von abgebrochenen Ästen oder sonstigen Stammschäden werden gerne als Basis genutzt; der Grauspecht baut diese dann zu Bruthöhlen aus. Glattes Hartholz zum Zimmern von Höhlen meidet der Grauspecht. In einer stark zergegliederten Landschaft brüten Grauspecht und Grünspecht unmittelbar nebeneinander.

Auf Meereshöhe selten

Im Normalfall brüten Grauspechte in Höhenlagen von 200m bis 600m. Nahe des Meeresspiegels, wie z.B. in Schleswig-Holstein oder den Niederlanden, brütet der Grauspecht nicht. Zahlreiche Beobachtungen zeigen, dass bei passendem Biotop auch Bruten in über 1000 Meter Höhe, in den subalpinen Regionen stattfinden. Die Verbreitung des Grauspechtes ist nicht einheitlich in der Fläche verteilt. Es gibt Gebiete, da kommt er häufiger vor, in anderen fehlt er ganz, obwohl das Biotop zusagen müsste.

Grauspecht - Nahrung

Der Grauspecht ernährt sich überwiegend von am Boden lebenden Wiesenameisen, sowie deren Puppen und Imagines. Er sucht zum Nahrungserwerb auch Ritzen und Spalten in Holz und an Gebäuden ab. Auch in morschem Altholz sucht er nach Insekten und deren Larven.

Grauspecht männlich
Männlicher Grauspecht

Verbreitung

Sein europäischer Lebensraum erstreckt sich von Südnorwegen und Frankreich (Bretagne) bis zum Altai-Gebirge und zum Baikalsee im Osten. Das nördlichste Verbreitungsgebiet des Grauspechts sind die Birkenwälder der mittelborealen Zone. Die Südgrenze des Verbreitungsareals in Europa befindet sich auf Höhe des Zentralmassivs in Frankreich bis in den südlichen Alpenbereich. Sporadisch sieht man den Grauspecht im nördlichen Balkan, Albanien und Nordgriechenland bis zur anatolischen Halbinsel, sowie vereinzelt in Ungarn. Dazu kommt der Grauspecht in den Wäldern Polens vor.

Von den Masuren bis zu den Karpaten trifft man den Grauspecht an. An der französischen Mittelmeerküste kommt der Grauspecht nicht vor. In Gebieten, in welchen der Grünspecht aufgrund von Umwelteinflüssen (Grünspecht ist sehr kältempfindlich) Bestandseinbußen zu verzeichnen hat, dringt der Grauspecht vor und besetzt die verwaisten Reviere.


Bildernachweis

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