Spechte (Picidae) - Grundlagen

Körperbau und Lebensraum

Schnabel und Zunge

Spechte sind Kerbtierverzehrer. Kerbtiere ist die eigentliche Bezeichnung für Insekten. In ihrem meist harten und kantigen Schnabel verbirgt sich eine äußerst spezialisierte Zunge. Mit ihrem Schnabel zimmern die Spechte ihre Brut- und Schlafhöhlen. Das Trommeln an Baumstämmen, aber auch an anderen klingenden Gegenständen, dient in erster Linie der Revieranzeige.

Buntspecht schaut aus Bruthöhle heraus
Junger Buntspecht schaut aus dem Nestloch

Die verlängerte Zunge des Spechtes ist mit winzigen Widerhaken versehen. So blieben bei der Nahrungssuche die kleinen Insekten an der herausgestreckten Zunge hängen. Zwischen Schnabel und Hirnschädel befindet sich bei den Spechten so etwas wie ein beweglicher "Stoßdämpfer". Die Energie beim Hämmern wird von diesem Knochenkonstrukt aufgenommen; sonst hätten die Spechte immer ganz schöne Kopfschmerzen!

Krallen und Schwanz

An den Füßen der Spechte befinden sich starke, gebogene Krallen. Sie sind meist paarig angeordnet (zwei Krallen zeigen nach vorne, zwei nach hinten). Damit können sie sich hervorragend am Baumstamm festhalten, um beim Hämmern nicht vom Baum zu fallen. Ein guter Läufer ist der Specht nicht. Bei den Baumspechten sind die Schwanzfedern besonders stark und stabil ausgebildet. Die Stützfunktion am Stamm ist dadurch sehr gut gewährleistet. Die Geschlechter der Spechte sind visuell meist recht schlecht zu unterscheiden. Darauf wird in der speziellen Artenbeschreibung näher eingegangen.

Spechte - Zimmerer des Waldes

Spechte zimmern ihre Bruthöhlen und Schlafhöhlen in gesunde, aber auch gerne in kranke, absterbende Bäume. Jede Spechtart hat da ihre Vorlieben. Die schlechteren "Zimmerer" unter den Spechten bevorzugen kranke Bäume oder Baumleichen.

Buntspecht - Dendrocopos major
Buntspecht am Baumstamm

Tote Bäume als Lebensspender

Es gibt viele Beispiele, wo in einem noch stehenden, aber abgestorbenen Baumstamm sich mehrere besetzte Specht- Nester verteilt im Baumstamm befinden. Diese Bäume sind sehr wertvoll für die Insektenwelt und sollten nicht gefällt werden. Die vielfältigen Biotope dieser abgestorbenen Bäume sind wichtig und für viele Tier- und Pflanzenarten zum Überleben notwendig. Letztendlich werden diese Baumruinen als Brutbiotop von Vögeln, Mardern, Siebenschläfer und natürlich speziell auch von Spechten genutzt.

Bei nicht gesunden Bäumen haben die Spechte den Vorteil, dass der Saftfluß des Baumes zur Krone hin unterbrochen ist. Dadurch wird das Holz spröder und trockener. Der Specht kann somit leichter Holzspäne aus dem Stamm heraus hacken. Manche Spechtarten bauen ihre Höhlen in Termitenhügel. Es gibt sogar Spechte, die Erdhöhlen bauen. Ihre Biotopwahl ist die baumlose Steppe.

Die Echten Spechte sind mit 169 Arten die größte Familie der drei Unterfamilien. Der Verbreitung der Spechte ist global; einige wenige Gebiete der Erde sind für Spechte nicht geeignet.